Gedanken vor der Reise

In einer Woche werde ich bereits in Cancún (Mexiko) sein. Das ist nicht das eigentliche Ziel meiner Reise, aber ich bin dem lakandonischen Urwald dann schon recht nahe. Doch bereits jetzt, wo ich noch Zehntausende Kilometer von meinem Ziel entfernt bin, denke ich täglich darüber nach, was mich in Mexiko und insbesondere in Chiapas erwarten wird; Wie schnell werde ich in Chiapas sein? Was werde ich auf dem Weg dorthin sehen? Wie werden mir die Zapatistas in Chiapas begegnen? Werde ich tatsächlich einen fundierten Einblick in das tägliche Leben der rebellischen Indigenen bekommen? Diese und viele weitere Fragen schwirren mir im Kopf herum.

Derzeit bin ich damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für meine Reise zu treffen. Konkret heißt das: ich schreibe Couchsurfing-Anfragen, um mir bereits jetzt in den Städten, die ich besuchen werde, Unterkünfte bei ortskundigen Einheimischen zu organisieren. Das fällt mir nicht besonders schwer, denn ich bin ein erfahrener Couchsurfer und weiß daher, wie das Ganze funktioniert. Ich habe bereits in mehreren Ländern Couchsurfing gemacht, darunter Marokko, Spanien, Türkei, Deutschland und auch schon einmal in Mexiko. Ich weiß deshalb, dass man bei Couchsurfing auch mal Pech haben kann und dann am Ende doch im Hostel landet. Die damit einhergehenden höheren Reisekosten sind nervig, aber verkraftbar. Meine Hauptmotivation bei Couchsurfing ist, dass ich so schneller mit Einheimischen in Kontakt komme und im Idealfall jemanden habe, der mir die tollsten Ecken des Ortes an dem ich gerade bin, zeigen kann. Mir scheint, dass ich mir in diesem Fall keine Sorgen zu machen brauche, denn ich habe bereits für mehrere Städte (u.A. Cancún und San Cristóbal de Las Casas) feste Zusagen von Hosts.   Das beruhigt ungemein, denn so habe ich einen wesentlichen Teil der Reiseplanung bereits fast abgeschlossen.

Darüber hinaus habe ich mich in den letzten Tagen mit der Planung meiner Route beschäftigt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich voraussichtlich über Belize und Guatemala nach Chiapas reisen werde. Das hört sich umständlich an, denn ich könnte auch über den mexikanischen Bundesstaat Yucatán an mein Ziel kommen, aber es ist so, dass sich beide Strecken von der Kilometeranzahl her nicht viel nehmen und die Möglichkeit der Besichtigung mehrerer berühmter Maya-Stätten auf den Weg nach Chiapas macht auch den mit drei Grenzüberquerungen verbundenen Stress wieder wett. Um mich optimal auf den Trip vorzubereiten, habe ich mich in den letzten Tagen mit reichlich Reiseliteratur über Guatemala und Belize eingedeckt und mich etwas belesen.  Für mich macht der Weg über diese anderen beiden Länder vor Allem auch deshalb Sinn, weil ich mir davon erhoffe, einen tieferen Einblick in die jahrtausendealte Kultur der Maya zu erhalten. In Belize wird das sicherlich schwierig, aber Guatemala ist bekannt dafür, dass Nachfahren der Maya auch heute noch einen beträchtlichen Anteil (ca. 40%) an der Gesamtbevölkerung haben. Die Maya-Ruinen in Tikal und Palenque zählen zu den wichtigsten überhaupt.

Ich bereite mich nicht nur praktisch vor, indem ich z.B. die Route durchplane, sondern mache mir auch Gedanken darüber, welche Fragestellungen für den weiteren Verlauf dieses Blogprojekts von Interesse sein könnten. Hierzu sichte ich momentan Fachliteratur über die Zapatistas bzw. die zapatistische Befreiungsarmee. Folgende Aspekte interessieren mich dabei ganz besonders:

  • Die Vereinigung aller sozialen Kämpfe im Widerstand der Zapatistas
  • Die Nutzung der sozialen Medien seitens der EZLN
  • Die Entwicklung eines eigenen zapatistischen Gerichtswesens

 

Mir fällt dabei auf, dass die zapatistische Bewegung in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der Forschung gerückt ist und gerade im spanischsprachigen Raum gibt es mittlerweile eine ganze Fülle sowohl an wissenschaftlichen als auch nicht-wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Wohin genau die Reise inhaltlich geht ist also noch nicht ganz absehbar, aber ich werde Euch hier auf dem Laufenden halten.                   Im Rahmen der inhaltlichen Fokussierung habe ich auch schon das Gespräch mit mehreren Leuten gesucht, die in zapatistischen Gemeinden zu Besuch waren.               Dabei habe ich bisher zumeist die selbe Antwort auf meine Nachfragen erhalten:               die Zapatistas sind aus Sicherheitsgründen nicht sehr gesprächig. Das ist nachvollziehbar, da sich die Anhänger der Bewegung ständiger Repression seitens des Militärs, der Polizei und anderer Regierungsorgane ausgesetzt sehen. Nur verständlich, dass man da lieber die Klappe hält. Mir bereitet das jedoch Kopfzerbrechen: Was, wenn ich dann vor Ort bin und niemand mit mir reden möchte? Wie komme ich an Informationen aus erster Hand wenn alle Kontaktversuche fehlschlagen? Könnte das das Scheitern des ganzen Projektes bedeuten?   Diese und viele weitere Fragen geistern mir durch den Kopf und mir ist klar, dass ich im Vorfeld so oder so keine Antwort darauf finden kann. Nun heißt es, dass ich mich in Geduld üben und versuchen muss, diesen Teufelskreis an Gedanken zu durchbrechen, denn er ist alles andere als zielführend.

 

 

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