Ich mach mich frei!

Diese einmonatige Reise ist für mich nicht die erste Reise dieser Art. Ich habe neben meinem Auslandssemester in Kuba bereits mehrere mehrwöchige Reisen unternommen, z.B. nach Marokko, Italien, Spanien und auch bereits nach Mexiko. Das alles ist nichts Neues für mich und von daher auch nichts Spektakuläres – es ist schon beinah Routine. Nichtsdestotrotz stehe ich vor jeder Reise wieder vor der Herausforderung, mich von persönlichem Ballast zu befreien. Mit jeder längeren Reise lässt man auch etwas zurück: andere Menschen, Orte, Gedanken, Gefühle und vieles mehr. Man lässt etwas zurück und bringt viel Neues mit: Erinnerungen an vormals unbekannte Menschen, vormals unbekannte Orte, jede Menge neuer Gedanken und auch Gefühle, die mit den neuen Orten und Menschen in Verbindung stehen. Mitunter sind die Veränderungen, die eine solche Reise mit sich bringt von eher geringer Bedeutung, aber es kann auch ganz anders kommen.

Mir haben meine Reisen bisher immer viel gegeben, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Das liegt daran, dass ich mich selbst als Reisenden sehe. Nur wer ständig in Bewegung ist kommt auch voran und nur wer seinen Horizont ständig erweitert dem öffnen sich auch immer wieder Tore zu neuen Welten. Wie wundervoll das sein kann habe ich mittlerweile auf meinen Reisen durch zahlreiche Begegnungen mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen erfahren, aber jede neue unerwartete und wundervolle Begegnung versetzt mich wieder in Erstaunen. Solche Reisen sind aber nicht nur mit positiven Gefühlen verbunden, denn gerade im Vorfeld ist es häufig so, dass ich auch viel mit meinen Ängsten zu kämpfen habe. Ich denke mir dann jedes Mal, dass das nichts Ungewöhnliches ist und andere Vielreisende ebenfalls immer wieder da durch müssen, aber das ist kein Trost. Letztlich ist man doch mit seinen Sorgen und Ängsten allein. Es geht aber auch nicht darum, keine Ängste und Sorgen zu haben, sondern vielmehr darum, diese Ängste zu konfrontieren und sie zu überwinden. Das wird auf dieser Reise eine ganz besondere Herausforderung, denn die meiste Zeit meines Mexiko-Aufenthalts werde ich in einem Gebiet verbringen, welches mir nicht nur gänzlich unbekannt, sondern von der Außenwelt auch weitestgehend abgeschnitten ist. Schon allein der Gedanke daran flößt mir Respekt ein. Dabei gehöre ich gar nicht zu dem Typ Reisenden, welcher sich wegen aller möglichen Gefahren in die Hosen macht, sondern gehe eher unbedarft an die ganze Sache ran.
Trotzdem: man fährt nicht alle Tage in ein von einer Guerilla besetztes Gebiet, von daher stellt das auch für mich etwas Besonderes dar.

Einen weiteren Aspekt habe ich weiter oben bereits angesprochen: es ist nicht nur ungewiss, was während so einer Reise auf einen zukommt – man weiß genauso wenig, was während der eigenen Abwesenheit zu Hause passiert und vor Allem: man hat darauf keinerlei Einfluss. Könnte ich wenn ich zu Hause bin bei bestimmten Vorkommnissen bzw. Ereignissen zumindest interagieren und den Lauf der Dinge in meinem Sinne beeinflussen, so muss ich während meiner Abwesenheit in mehreren zehntausend Kilometer Entfernung sämtliche Tatsachen hinnehmen und kann nichts weiter dagegen unternehmen. Das ist zwar ein unheimlicher Gedanke, dafür aber gleichzeitig auch einer, der unheimlich gut tun kann, denn das Loslassen von Allem um einen herum – sei es nun das Ungewisse, das noch in der Zukunft liegt oder das, was man zurücklässt – sorgt dafür, dass man zu sich findet, dass man die Möglichkeit erhält, einmal intensiv in sich reinzuhorchen. Darauf freue ich mich jetzt schon, denn das macht mir klar, dass diese Reise mich nicht nur politisch, sondern auch persönlich in meiner Entwicklung sehr viel weiter bringen wird.

Mein Fazit lautet deshalb wie folgt: es ist nur gewöhnlich, dass ich vor dieser Reise und Allem, was sie mit sich bringt einen gewissen Respekt oder vielleicht gar Angst habe. Es ist dabei fundamental wichtig, dass ich mich mit diesen Ängsten auseinandersetze, aber nicht an ihnen kaputtgehe. Deswegen: Kopf hoch und auf das Ziel fokussieren! Mir muss klar sein, dass ich während der Reise wahrscheinlich des Öfteren zweifeln und mich für meine Entscheidung selber hassen werde.            Das ist es  auch. Ich weiß, dass nicht alles toll verlaufen wird, dass ich manches Mal enttäuscht sein werde und am Liebsten alles hinwerfen und sofort wieder nach Hause fahren möchte. Doch ich werde es nicht machen. Völlig egal, was auch passiert, ich stell mich meinen Ängsten und bleibe am Ball.

Ich gehe da raus, stelle mich der Herausforderung und meinen Ängsten und wachse daran.

Ich komme als neuer Mensch nach Hause zurück – und das ist auch gut so. Kurz und gut:

Ich mach mich frei!

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