Reisetagebuch: Tag 2 (Teil 1)

Nach einer langen und beinah schlaflosen Nacht auf dem Flughafen Köln-Bonn geht es nun endlich weiter: Flug nach Cancún! Die Spannung steigt von Minute zu Minute und damit auch meine innere Anspannung.
Diese innere Anspannung ist jedoch längst kein beklemmendes Gefühl mehr, denn ich habe meine Ängste nun im Griff. Ich freue mich: nach mehr als drei Jahren endlich mal wieder ausgedehnt alleine reisen. Jeder Mensch, der schon einmal fuer ein paar Wochen mehrere Zehntausend Kilometer entfernt von zu Hause völlig auf sich allein gestellt war weiss, was das fuer ein Abenteuer sein kann.

Mir wird dabei auch bewusst, dass es ein absolutes Privileg ist, so zu reisen.
Ich bin jung, ich kann mir die Zeit nehmen, und ich habe keine Familie, der gegenüber ich in irgendeiner Form verpflichtet wäre. Nein, ich habe deswegen gewiss kein schlechtes Gewissen – ganz im Gegenteil: ein schlechtes Gewissen hätte ich dann, wenn ich diese Gelegenheit nicht wahrnehmen und sie einfach verstreichen lassen würde.
In den letzten drei Jahren ist das leider auch passiert, denn ich war teilweise so sehr mit mir beschäftigt, dass ich das Reisen fast völlig aus den Augen verloren hatte. Das soll sich nun wieder ändern und mit dieser Reise nach Mexiko mache ich den ersten Schritt in diese Richtung. Ich merke immer mehr, dass ich das hier nicht nur mache, um die Zapatisten näher kennenzulernen, sondern auch, um wieder ein Stück mehr zu mir selbst zu finden.

Natürlich gibt es zu Hause Menschen und Ereignisse, an die ich so kurz vor der Abreise vermehrt denke, aber das ist jetzt schon immer weniger präsent – und das ist auch gut so! Wenn eins elementar wichtig ist beim Reisen dann doch, dass man es sich nicht kaputt machen lassen sollte von Gedanken, die im Moment des Reisens allenfalls von geringfügiger Bedeutung sind. Viel zu oft ist es mir auf meinen früheren Reisen leider passiert, dass ich noch viel zu viele Gedanken an kurz zuvor Geschehenes verschwendet habe – das soll mir dieses Mal nicht passieren und ich denke, das gelingt mir bis hierher schon ganz gut. Es passt darüber hinaus wunderbar, dass ich diese Reise nicht aus privaten, sondern eher aus politischen Gründen mache, denn so habe ich meinen Fokus auf dem, was wirklich zählt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s