Reisetagebuch: Tag 2 (Teil 2)

Bald ist es soweit, in ein paar Stunden komme ich in Cancún an.
Der Flug verläuft bislang recht ereignislos, ich versuche die meiste Zeit verzweifelt, ein paar Stunden in Ruhe zu schlafen, was aufgrund der engen und unbequemen Sitzgelegenheiten in dem eurowings-Flieger leider unmöglich ist.
Kurzerhand entschliesse ich mich deshalb dazu, die Zeit mit der Nutzung des Entertainment-Programms totzuschlagen und schaue mir die Spielfilme „Ich bin dann mal weg“ und „Mad Max – Fury Road“ sowie vier Folgen der Comedy-Serie
„Der Tatortreiniger“ an.

Auf dem Sitz neben mir sitzt eine junge Frau Anfang zwanzig, die mir bereits beim Check-In aufgefallen ist, da sie ein „No-Border“-Shirt trägt. Ich denke mir: vielleicht ist das kein Zufall, vielleicht ist ihre Reise ebenfalls politisch motiviert.
Ein interessanter Gedanke, aber ich bin zu müde und deshalb zu unmotiviert, um sie an- und den Gedanken auszusprechen.
Stattdessen beobachte – wenn ich nicht gerade versuche, einzuschlafen – die Menschen um mich herum und frage mich, was ihr Reisemotiv ist. Einige von ihnen sind Mexikaner_innen, das erkenne ich am Akzent. Da liegt es nahe, dass sie entweder in Deutschland Urlaub gemacht haben und nun heimfliegen oder aber hier leben und nun ihre Familien in Mexiko besuchen. Die meisten der Fluggaeste sind jedoch Deutsche und schon rein aeußerlich so tourimaessig unterwegs, dass ich den Eindruck habe, dass viele von ihnen noch nicht einmal ihre Hotelanlage verlassen wollen, damit die heile Touriwelt bloss keinen Kratzer abbekommt.
Ice fuer meinen Teil habe fuer diese Leute kein Verständnis, denn es erschliesst sich mir nicht, warum man Tausende von Kilometern reist, nur um in Luxushotels abzusteigen, die man in fast identischer Form auch daheim vorfindet.
Es ist traurig, dass wir in einer Gesellschaft leben, deren Dekadenz derart ausgeprägte Formen angenommen hat, sodass Menschen sich zu so einem Unsinn verleiten lassen, ohne die Widersprüchlichkeit darin zu erkennen.

All das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Umwelt nicht mit den Folgen dieses unsäglichen Katalogtourismus belastet würde. Gerade in Cancún sind genau diese Folgen mittlerweile deutlich sichtbar, doch mehr dazu dann in einem separaten Blogeintrag.
Nun bin ich einfach froh, bald da zu sein. Wann ist es denn endlich soweit?
Wieder und wieder starre ich auf das Display an meinem Platz, um zu wissen, wie lange es noch dauert bis zur Ankunft. Dann kommt auf Englisch die Durchsage des Piloten: „Kabinenbesetzung – 20 Minuten bis zur Landung.“

Ich atme erleichtert auf. Endlich.

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