Tag 4 (Teil 1): Im Touri-Wahn auf der Isla Mujeres

„Meine Guete, was fuer eine schoene Insel!“ Wer schon einmal in Cancún war bzw. sich in Mexiko ein bisschen auskennt, der weiss, dass sich ein solcher Ausspruch am ehesten auf die Isla Mujeres bezieht. Nur wenige Kilometer vor der Kueste von Cancún gelegen hat die Regierung vor ein paar Jahren die Gelegenheit genutzt und das kleine Eiland sogleich fit gemacht fuer den Tourismus-Wahnsinn.

Das ist der Grund, warum die Isla Mujeres heute das ist, was sie ist: eine klitzekleine Insel mit ein paar Hotels, ein paar huebsch aufgemachten Sandstraenden und einem ballermannaehnlichem Zentrum, wo man alles bekommt, was das Touri-Herz begehrt. vom daemlichsten aller Saufshirts bis hin zum Leihfahrrad. Natuerlich kann man sich nicht nur jede Menge Saufklamotten kaufen, sondern damit nach dem Kauf auch richtig saufen gehen an einer der zahlreichen Strandbars. Schoen und gut, aber warum erzaehle ich das eigentlich? Weil ich dort war. Und warum war ich dort?  Ich war dort, weil ich dachte, dass die Isla Mujeres das Paradebeispiel fuer den Ausverkauf natuerlicher Idylle an die Hotelindustrie ist. Wie sehr ich damit Recht behalten sollte, war mir jedoch vorher nicht bewusst.

Doch alles der Reihe nach: Nach meiner Ankunft gestern am Flughafen in Cancún kam es ueberraschenderweise doch noch zu einem Gespraech zwischen mir und meiner Sitzpartnerin aus dem Flugzeug, mit welcher ich den ganzen Flug ueber kaum ein Wort gewechselt hatte. Ich naschte am Flughafen gerade einen leckeren Donut bei Starbucks, als Karina auf mich zukam und mich nach den Bussen ins Zentrum fragte. Da ich Bescheid wusste und mich sowieso auch aufmachen wollte, fuhren wir dann gemeinsam Richtung Stadtzentrum. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und schnell stellte sich raus, dass Karina auch politisch aktiv ist und ein reges Interesse an der zapatistischen Bewegung hat, auch wenn das nicht so wie bei mir das Hauptmotiv der Reise ist. Ich freue mich insgeheim: mit meiner Einschaetzung aufgrund ihres T-Shirts hatte ich Recht. Im Zentrum angekommen begleitete ich sie noch zu ihrem Hostel in der Naehe der Zona Hotelera, von wo aus ich mich wiederum mit meiner Couchsurferin Anita in Verbindung setzte, bei der ich immer noch bin. Nachdem ich mich mit Anita kurzgeschlossen hatte, verabredete ich mich noch schnell mit Karina fuer den naechsten Tag. Das Ausflugsziel haben wir dann heute frueh kurzerhand ausgemacht: Isla Mujeres.

Gegen 10 Uhr heute frueh haben wir uns dann im Kollektiv-Taxi aufgemacht in Richtung Anlieger. Von dort aus ging es mit der Faehre weiter auf die Isla Mujeres. Was uns dort erwarten wuerde ahnte ich schon beim Warten auf die Faehre: Dutzende Pauschaltouristen, aus Italien, Spanien, den USA und anderen Laendern standen gemeinsam mit uns Schlange. Auf der Faehre dann das volle Touri-Programm: wir sitzen oben im Aussenbereich der Faehre, wo es sich ein Saxophon-Spieler unter den Touris gemuetlich gemacht hat und wenige Augenblicke nach dem Ablegen auch schon mit seiner Show beginnt. Er begruesst die Gaeste abwechselnd auf Spanisch und in gebrochenem Englisch und haut den ersten Hit raus: „El Perdedor“ („Der Verlierer“) von Enrique Iglesias. Waere die schoene Aussicht und der Ausblick auf einen tollen Tag am Strand nicht, haette ich jetzt schon genug. Der Saxophonist legt noch eins drauf, jetzt spielt er den Evergreen „La Bamba“, der in Mexiko bei keiner Touri-Bespassung fehlen darf. Mir platzt der Kopf. Zu allem Ueberdruss faellt mir jetzt – bei offener Fahrt unter der prallen Mittagssonne – ein, dass ich mich nicht eingecremt habe. Na klasse. Unerwarteterweise loest sich das Problem jedoch nur einen Wimpernschlag spaeter im Handumdrehen, denn der Typ vor mir benutzt bei vollem Fahrtwind ein Sonnecremespray, das mir volle Kanne ins Gesicht fliegt. So cremt er nicht nur sich ein, sondern auch mich.

Wenige Minuten spaeter sind wir dann auch schon auf der Insel – Gott sei Dank, denn denn zwei Touri-Hits innerhalb von zwei Minuten auf dem Saxophon sind genug. Als Leserin denkst Du jetzt wahrscheinlich: man, der meckert aber viel! Stimmt auch, aber zu Pauschaltouris verbindet mich sowas wie eine Hassliebe. Ich kann nicht mit ihnen, aber ohne sie ist es auch langweilig. Vielleicht kennst Du das ja. Vielleicht bist Du aber auch selber gerne Pauschaltouri – fuer den Fall hoffe ich, dass Du jetzt nicht vor lauter Wut weggeklickt hast. Nun aber weg vom Pauschaltourismus und zurück zum eigentlichen Thema. Auf der Insel angekommen machen wir uns vom Anlieger direkt auf ins Zentrum.   Mir kommt sofort ein Gedanke in den Sinn: ich war zwar noch nie auf Mallorca, aber so ungefähr sieht es dort wahrscheinlich auch aus, denke ich so vor mich hin. An allen Ecken und Enden ist es völlig ueberfuellt mit Tourist_innen, von denen viele total unlustige Saufshirts tragen. Im Getümmel auf der Hauptstrasse trifft man zwar auch auf Einheimische, jedoch ueberwiegend als Verkaeufer_innen – sowohl auf der Strasse selber als auch in den angrenzenden Laeden. Mir scheint, dass hier im Zentrum der kleinen Touri-Hochburg auch das klitzekleinste Körnchen Sand touristisch erschlossen worden ist.

 

Bald gehts weiter mit dem zweiten Teil von Tag 4!

 

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