Über die Zapatistas

Es gibt sicherlich einige Leute, die auf diesen Blog stoßen und dabei noch gar nicht wissen, was genau es mit den Zapatistas eigentlich auf sich hat. Ich will versuchen, mit diesem Text Abhilfe zu schaffen, indem ich folgende Fragen beantworte: Wer sind die Zapatistas? Woher kommen sie? Was sind ihre Motive? Was sind ihre Ziele? Wie organisieren sie sich?

 

Woher haben die Zapatisten ihren Namen?

Als Zapatisten bezeichnet man die Anhänger Emiliano Zapatas, eines mexikanischen Bauernführers, welcher Anfang des letzten Jahrhunderts im mexikanischen Bürgerkrieg mit seiner Forderung nach „Tierra y Libertad“ (dt.: Land und Freiheit) eine zentrale Rolle spielte. Zapata vermochte es für seine Forderung nach einer Landreform, die vor Allem dem ärmeren Teil der mexikanischen Bevölkerung zu Gute kommen sollte, eine breite Bewegung aufzubauen, in welcher auch für marginalisierte Bevölkerungsteile wie z.B. die Indigenen Mexikos Platz war. Aufgrund der Popularität seiner Kampagne ist Zapata bis heute einer der wichtigsten Charaktere der mexikanischen Revolution. Nichtsdestotrotz wurden die Forderungen Zapatas und seiner Anhängerinnen und Anhänger über viele Jahrzehnte trotz der Versprechungen der PRI (Partei der Institutionellen Revolution), welche als siegreiche Kraft aus den revolutionären Wirren hervorging und die Geschicke des Landes bis in die 1990er Jahre leitete, niemals umgesetzt.

 

Wann begann der zapatistische Aufstand und was waren die Gründe dafür?

Die Zapatisten begannen ihren Aufstand in Chiapas am 1. Januar 1994 – Dem Tag, an dem das Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den USA und Mexiko in Kraft trat. Bereits im Vorfeld war klar, dass das Inkrafttreten dieses Abkommens vor Allem für die indigene Bevölkerung mit zahlreichen Nachteilen verbunden sein würde –  man befürchtete u.A. weiteren Landraub seitens der mexikanischen Regierung und multinationaler Konzerne. Der Regierung war das nicht nur egal, man rechnete auch nicht mit organisiertem Widerstand seitens der Indigenen. Doch alles kam ganz anders: bereits einige Jahre vor dem eigentlichen Inkrafttreten des Freihandelsabkommens begannen die Indigenen damit, ihre Strukturen aufzubauen, um NAFTA effektiven Widerstand entgegenzusetzen. Das Freihandelsabkommen war nicht der einzige Grund für den Aufstand. Tatsächlich reicht die Geschichte der Unterdrückung und Enteignung der indigenen Bevölkerung mehr als 500 Jahre zurück. Seither sehen diese Menschen sich auf verschiedenen Ebenen struktureller und alltäglicher Diskriminierung ausgesetzt: ihre Sprache(n) wurde(n) verdrängt und sind teils nicht offiziell anerkannt, ihre Kultur wird als minderwertig angesehen und ganz allgemein haben Indigene bestenfalls am Rande der mexikanischen Gesellschaft einen Platz – wenn überhaupt. Die Gründe für den Aufstand sind also vielfältig und komplex, NAFTA brachte das Fass lediglich zum Überlaufen.

Am 1. Januar 1994 war es dann soweit: NAFTA trat in Kraft, die Zapatisten begannen ihren bewaffneten Aufstand und besetzten über Chiapas verteilt mehrere Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Die Regierung war davon überrumpelt, mit diesem organisierten Widerstand hatte man nicht gerechnet – erst recht nicht damit, dass er von Seiten der Indigenen kommen würde. Die Antwort der Regierung folgte dennoch prompt: über zwei Wochen lieferte sich die mexikanische Armee blutige Gefechte mit der EZLN („Ejército Zapatista de Liberación Nacional“, dt.: „Zapatistische Armee zur nationalen Befreiung“). Dann lenkte das Militär ein, nicht zuletzt aufgrund der breiten internationalen Aufmerksamkeit. Die Zapatisten konnten so mit dem Aufbau ihres Projekts weitermachen. Ein erster wichtiger Schritt dabei war die Enteignung der Großgrundbesitzer und die Verteilung des Landes an die einfache Bevölkerung. Gemäß der zapatistischen Losung „La tierra es de quien la trabaja“ gehört das Land nun tatsächlich denen, die es bearbeiten.

 

Weitere Infos folgen!

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